Komplementärmedizin
Mit dem Aufkommen des Begriffs Patientenkompetenz, haben sich auch die Definition und Inhalte des Begriffs Komplementärmedizin geändert.
Früher wurde die Komplementärmedizin oft in den gleichen Topf mit „Alternativmedizin“ geworfen. Zumindest wurde sie als unwissenschaftliche Erfahrungsheilkunde abgetan und von der Schulmedizin ausgegrenzt.
Heute setzt sich ein anderes Verständnis von Komplementärmedizin durch.
Komplementär heisst ergänzend. Von Komplementarität wird geredet, wenn es zur Beschreibung einer bestimmten Sache verschiedene Erklärungen braucht und wenn sowohl die eine, als auch die andere Erklärung richtig ist. So ist etwa das Licht physikalisch gesehen sowohl ein Teilchen als auch eine Welle. Die beiden Erklärungen ergänzen sich zu einem ganzheitlichen Verständnis.
Und so ist es auch mit der Frage, was wohl die richtige Medizin ist.
Ist das die naturwissenschaftliche, sog. Schulmedizin, die sich auf die Therapie der Erkrankung konzentriert und im Extremfall den inneren Heiler ignoriert? Oder ist das die naturheilkundliche Medizin, die eine Heilung nur durch die Kräftigung der natürlichen Heilkräfte des Menschen bewirken will?
Weder noch, sondern sowohl als auch.
Der ganzheitlich handelnde Arzt hat immer beide Wirklichkeiten und Sichtweisen, diejenige der Medizin und diejenige des Patienten im Auge. Beide Wirklichkeiten ergänzen sich, es sind komplementäre Wirklichkeiten.
Und damit zurück zur modernen Definition der Komplementärmedizin.
Die Schulmedizin definiert sich aus dem Krankheitsverständnis des Arztes.
Die Komplementärmedizin definiert sich hingegen aus dem Krankheitserleben und Krankheitsverständnis des Patienten, genauer: aus der komplementären Wirklichkeit des Patienten.
Die Komplementärmedizin unterstützt nicht so sehr den äusseren Arzt bei seinem Kampf gegen die Krankheit – in der Onkologie beim Versuch die Krebszellen direkt, durch Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie zu schädigen.
Die Komplementärmedizin unterstützt viel mehr den inneren Arzt, besser, den kompetenten Patienten beim Versuch selbst etwas für sich zu tun.
Das Patientenforum setzt sich kritisch mit den Verfahren und Möglichkeiten der Komplementärmedizin auseinander. Es will, dass Patienten, die sich auch für komplementärmedizinische Mittel entscheiden, solche Mittel wählen, die sicher sind, die schulmedizinische Therapie sinnvoll ergänzen und für die auch Belege der Wirksamkeit existieren.
